
Der Reifenabrieb beim Autofahren ist seit Jahren als eine der größten Quellen für Mikroplastik in der Umwelt bekannt. Weniger im Fokus steht bislang das Fahrrad – insbesondere das Mountainbike, obwohl diese Sportart in Deutschland immer beliebter wird. Forschende der Universität Bayreuth haben nun erstmals unter realen Bedingungen untersucht, wie viel Mikroplastik durch das Mountainbiken freigesetzt wird. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Science of the Total Environment veröffentlicht.
Demnach liegt der durchschnittliche Abrieb von Mountainbike-Reifen bei etwa 3,5 Gramm pro 100 Kilometer. Hochgerechnet auf ein Jahr entspricht dies einem Pro-Kopf-Wert von bis zu 88 Gramm Mikroplastik, das direkt in die Natur abgegeben wird – etwa auf Wald- und Bergwegen, in oft empfindlichen Ökosystemen. Der Beitrag von Mountainbikes zur gesamten Mikroplastikverschmutzung in Deutschland fällt mit weniger als einem Prozent aber relativ gering aus, so das Forschungsteam. Der Autoverkehr verursacht im Vergleich dazu mit elf Gramm pro 100 Kilometer rund 35 Prozent des gesamten Mikroplastikaufkommens.
Besonderes Augenmerk lag in der Studie auf dem Materialverlust neuer Reifen. So zeigte sich, dass der Abrieb in den ersten 500 Kilometern am höchsten war, danach gaben die Reifen deutlich weniger Mikroplastik ab. Die Forschenden führen dies auf die Abnutzung der Kanten sowie die Entfernung haarähnlicher Gummireste aus der Produktion zurück.
„Unsere Studie liefert erstmals belastbare Zahlen zur Reifenabriebmenge von Mountainbikes unter realen Nutzungsbedingungen“, erklärt Studienleiter Fabian Sommer. „Die Ergebnisse zeigen, dass Mountainbike-Reifen zwar direkt in der Natur Mikroplastik freisetzen, die Menge jedoch im Vergleich zu motorisierten Fahrzeugen deutlich geringer ausfällt. Das unterstreicht einen weiteren Vorteil des Fahrrads als nachhaltige Fortbewegungsmethode.“
In einer Folgestudie untersucht das Team derzeit auch andere Reifentypen wie Rennrad-, Gravel- und E-Mountainbike-Reifen. Zudem werden Umweltproben in Zusammenarbeit mit dem Sonderforschungsbereich Mikroplastik der Universität Bayreuth analysiert, um die ökologischen Auswirkungen des Reifenabriebs besser zu verstehen.



