Kunststofffressende Pilze könnten beim Abbau von Abfällen helfen

Kunststoffe können jahrzehntelang in der Umwelt verbleiben, da sie von Bakterien im Boden oder Gewässer nicht oder nur sehr langsam abgebaut werden. Weltweit wird deshalb an praxistauglichen Methoden für den Umgang mit Kunststoff- und Gummiabfällen geforscht. Ein Forschungsteam des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der Universität Potsdam hat 18 Pilzstämme aus Süßgewässern ausgewählt und ihre Fähigkeit untersucht, Polyurethan, Polyethylen und Reifengummi abzubauen, gab das IGB im Juli bekannt.

Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass Stämme der Bakterien Fusarium, Penicillium, Botryotinia und Trichoderma ein hohes Potenzial zum Abbau von Kunststoffen besitzen. Entgegen bisheriger Annahmen sei dafür keine Vorbehandlung der Kunststoffe notwendig, erklärt das IGB.

„Pilze produzieren Enzyme, die selbst chemische Verbindungen aus vielen Makromolekülen wie Kunststoff aufspalten können. Außerdem sind sie mit ihren invasiven Wachstumsformen und ihrer Fähigkeit, Biofilme zu bilden und mit bereits bestehenden Biofilmen zu interagieren, gut an das Leben in der Plastiksphäre angepasst“, sagt IGB-Forscher Professor Hans-Peter Grossart, der die Studie leitete.

Die Forschenden testeten auch, ob bestimmte Pilzarten nur bestimmte Arten von Kunststoff oder Gummi abbauen können und welcher Kunststoff am besten von Pilzen zersetzt wird. Das Ergebnis: Polyurethan erwies sich von allen getesteten Kunststoffen als am besten abbaubar. „Die Kenntnis effizienterer Pilzstämme, insbesondere für den biologischen Abbau von Polyurethan, trägt dazu bei, großtechnische Recyclingkonzepte für Kunststoffabfälle zu entwickeln“, erklärt Grossart.

Wiederverwendung sinnvoller als Zersetzung

Gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“ gab Grossart an, dass die Enzymtätigkeit der Pilze stark von äußeren Bedingungen abhängig sei. Der Einsatz sei vor allem in Klärwerken und anderen Anlagen mit kontrollierten Bedingungen denkbar und weniger geeignet zur Bekämpfung der Abfallflut in den Meeren und an Land. Daher rief Grossart im Interview mit der Zeit vor allem auch zur Plastikmüllvermeidung und einem verstärkten stofflichen Recycling auf. Vielfach sei es sinnvoller, Kunststoffabfälle wiederzuverwenden als sie abzubauen. Die Zersetzung durch Pilze würde schließlich fossile Ressourcen verbrauchen und CO2 freisetzen; Grossart setzt diesen Prozess mit der Verbrennung von Erdöl und Gas gleich.

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