Forschungsprojekt „Re-use“: Mit Altbatterien stationäre Speicherkapazitäten ausbauen

Ein Konsortium unter Leitung des Wuppertaler Unternehmens Second Life Batteries strebt im Rahmen des Forschungsprojekts „Re-use“ die Vermarktung ausgedienter Fahrzeug-Akkus als stationäre Energiespeicher an. Um das zu ermöglichen, müsse ihre Leistungs- und Nutzungseffizienz garantiert werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Entwicklung entsprechender Prüf- und Klassifizierungsmethoden wird daher den Schwerpunkt einer auf drei Jahre angelegten Zusammenarbeit bilden. Zu den Projektpartnern gehören die Rethmann-Tochter The Battery Lifecycle Company (BLC), die Bergische Universität Wuppertal und das auf Messtechnik spezialisierte Unternehmen Keysight Technologies Deutschland. Gefördert wird das Vorhaben vom Land Nordrhein-Westfalen und kofinanziert mit EU-Mitteln in einer Höhe von insgesamt rund 2,3 Mio €.

Auf Grundlage bereits bestehender technischer Instrumente und Verfahren wollen die Partner ein „innovatives Prüfgerät“ konzipieren und umsetzen, das die verschiedenen Zustände von Batterien effizient ermittelt. Je nach Gesundheitsstatus sollen die Batterien neu definiert und angeboten werden. „Das Projekt ‚Re-use‘ zielt darauf ab, ein marktfähiges Produkt aus wiederverwendeten Lithium-Ionen-Batterien zu schaffen“, kommentierte Stefan Naust, Geschäftsführer von Second Life Batteries und Projektkoordinator. „Hierbei soll ein Garantieversprechen für Kapazität und Nutzungsdauer der Batterien entwickelt werden, um deren breite Akzeptanz und Anwendung zu fördern.“

Derzeit gängige Praxis sei, dass E-Fahrzeug-Akkus nach maximal acht Jahren ausgetauscht werden – wobei ihre Restkapazität immernoch 50 bis 80 Prozent betrage, erklärte die Bergische Universität Wuppertal. Das Recycling dieser Batterien sei nicht nur arbeits- und energieintensiv, sondern bisher wirtschaftlich unrentabel, da der Wert der zurückgewonnenen Materialien die Kosten nicht decke. Eine gezielte Zweitverwendung hingegen würde die momentan ohnehin knappen Recyclingkapazitäten entspannen und ist laut Benedikt Schmülling, Inhaber des Lehrstuhls für Elektromobilität und Energiespeichersysteme an der Wuppertaler Uni, „ein wichtiger Schritt, um die Ressourceneffizienz zu steigern“.

Im Hinblick auf den grundsätzlich bestehenden Bedarf, stationäre Stromspeicherkapazitäten auszuweiten, ergänzte Mathias Nippraschk, Projektleiter von Seiten BLC: „Aktuell konkurrieren Hersteller stationärer Speicher mit der Automobilindustrie, die für die Elektrifizierung der Mobilität eine sehr hohe Nachfrage bei allen Batterieproduzenten darstellt. Die Nutzung zertifizierter ‚Second Life‘-Batterien kann diesen Engpass mittelfristig entschärfen.“ Erst Mitte Juli hatte BLC unabhängig vom jetzt gestarteten Forschungsprojekt die Implementierung eines neuen Batterie-Testverfahrens angekündigt, um das Geschäftsmodell der Wiederverwendung zu optimieren.

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