
Das EU-Projekt „M-BAT“ zur chemischen Rückgewinnung kritischer Batterierohstoffe ist Anfang Juni mit 18 Konsortialpartnern aus sieben europäischen Ländern an den Start gegangen. Es zielt darauf ab, Kobalt-, Nickel-, Mangan- und Lithiumverbindungen sowie Graphit aus europäischen Primär- und Sekundärquellen zu extrahieren und zu Materialien in Batteriequalität aufzubereiten. Laut Projektdatenbank Cordis wird „M-BAT“ von der EU über das Programm Horizon Europe mit rund 9,1 Mio. € gefördert.
Wie das beteiligte Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE mitteilt, sollen im Projekt vier komplementäre Verfahren entwickelt und in einer vorindustriellen Umgebung demonstriert werden. Die Pilotaktivitäten sind den Angaben zufolge in Spanien, Polen und Großbritannien geplant. Im Mittelpunkt stehen Stoffströme, die in Europa verfügbar sind, bislang aber nur begrenzt genutzt werden: Eine Prozesslinie setzt auf die Rückgewinnung von Graphit und Metallsalzen aus Schwarzmasse. Weitere Verfahren befassen sich mit der hydrometallurgischen Aufbereitung von Nickel- und Kobaltschlämmen aus der Kupferproduktion sowie mit der säurebasierten Hochdruckbehandlung sulfidhaltiger Bergbau- und Erzrückstände.
Die vierte Linie, in die das Fraunhofer ISE seine Expertise einbringt, betrifft die direkte elektrochemische Lithiumgewinnung aus mineral- und salzhaltigen Tiefenwässern, die in geothermischen Anlagen aus dem Untergrund gefördert werden. Nach Angaben des Instituts ist die Integration eines Demonstrators in ein Geothermiekraftwerk der Firma Cornish Lithium in Großbritannien geplant. Er soll die Prozesskette von der selektiven Lithiumextraktion bis zur Herstellung von batterietauglichem Lithiumcarbonat – zunächst rund 350 Kilogramm pro Jahr – unter realen Betriebsbedingungen abbilden.
Zum Projektumfang gehört auch, die zurückgewonnenen Materialien anschließend in Batteriezellen zu testen, um ihre Eignung für Anwendungen der nächsten Generation zu überprüfen. Ergänzend dazu sollen Ökobilanz und Kostenanalysen sowie sozialwissenschaftliche Studien Entscheidungsgrundlagen für eine spätere industrielle Skalierung innerhalb Europas liefern.
Koordiniert wird „M-BAT“, das auf eine Laufzeit von dreieinhalb Jahren angelegt ist, vom spanischen Forschungs- und Technologieunternehmen Idener Research & Development. Aus Deutschland ist neben dem Fraunhofer ISE auch die Universität Bremen beteiligt. Darüber hinaus umfasst das Konsortium wissenschaftliche Einrichtungen und Praxispartner aus Spanien, Polen, Portugal, Italien, der Ukraine und Großbritannien.



