Ein europäisches Forschungskonsortium unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) will ein vollständig integriertes Kreislaufsystem für nicht wiederverwendbare Textilien aufbauen. Insgesamt 14 Partner aus sieben Ländern sind an dem Projekt Autoloop beteiligt, das von der EU mit rund fünf Mio. € aus dem Programm „Horizon 2020“ finanziert wird. Erklärtes Ziel ist es, automatisierte Sortier-, Rückverfolgungs- und chemische Recycling-Technologien in einem durchgängigen Prozess zusammenzuführen. Damit soll das Recycling polyesterbasierter Alttextilien industriell skalierbar werden. Bis 2050 ließe sich nach Modellrechnungen der Forscher theoretisch ein EU-weites Verwertungspotenzial von rund 1,24 Mio. Tonnen Altkleidern pro Jahr erschließen.
Hintergrund ist die wachsende Abfallmenge in diesem Sektor: Jährlich fallen in Europa 10,9 Mio. Tonnen Alttextilien an, wovon heute weniger als ein Prozent im geschlossenen Kreislauf zu sekundären Fasern aufbereitet wird. Thomas Fehn, Koordinator von Autoloop bei Fraunhofer Umsicht, spricht in diesem Zusammenhang von einem notwendigen „Paradigmenwechsel von Abfall zu Ressource“. Dafür stehe das Ende Oktober gestartete EU-Forschungsprojekt. Ausrangierte Produkte sollen künftig „in wertvolle Rohstoffe für neue Kleidungsstücke umgewandelt“ werden.
Autoloop basiert auf zentralen Technologiebausteinen, die im Verlauf des Vorhabens weiterentwickelt werden sollen: Dazu gehört unter anderem eine KI-gestützte Sortierung, die das britische Unternehmen Zoritex vorantreibt. Mithilfe eines hyperspektralen Nahinfrarot-Verfahrens werden den Angaben zufolge mehr als 15 Faserarten und -mischungen erkannt. Dadurch lasse sich der Sortierdurchsatz verzehnfachen, mit einer erwarteten Kostensenkung um 50 bis 75 Prozent.
Die finnische Aalto-Universität als weiterer Partner bringt in das Projekt eine Recyclingmethode ein, die ionische Flüssiglösungsmittel nutzt, um Zellulosefasern aus Mischtextilien zu extrahieren. Ohne Einsatz schädlicher Chemikalien seien damit Rückgewinnungsquoten von über 95 Prozent erreichbar. Für synthetische Textilanteile arbeiten Fraunhofer Umsicht und das Kunststoff-Zentrum SKZ an ihrer sogenannten Resyn-Technologie weiter, die Kunstfasern zu hochreinen Basischemikalien depolymerisieren und selbst verunreinigten Input effizient verwerten könne.
Zur Rückverfolgung von Materialien innerhalb der gesamten Lieferkette trägt Tailorlux (TLX) aus Münster seinen Ansatz bei: Dieser beruht auf unsichtbaren, in die Fasern eingebetteten Identifikatoren, die sich kontaktlos auslesen lassen und so eine vollständige Transparenz ermöglichen sollen. Die digitale Integration übernimmt der niederländische Partner Texroad mit einem cloudbasierten Data Hub, der Informationen aus allen Recyclingstufen im Format des digitalen Produktpasses bündeln und standardisiert bereitstellen könne.




