Epea entwickelt digitalen Marktplatz für industrielle Nebenprodukte

Das Stuttgarter Unternehmen Epea beteiligt sich an einem vom Bundesforschungsministerium geförderten Entwicklungsprojekt zum Aufbau eines digitalen Industriemarktplatzes für zirkuläre Stoffströme. In dem unter dem Titel „Fate2Circle“ bis Mai 2029 laufenden Vorhaben sollen industrielle Nebenprodukte, die bislang häufig als Abfall entsorgt werden, auf Basis geprüfter digitaler Materialinformationen als handelbare Ressourcen sichtbar gemacht werden.

Nach Angaben von Epea werden Nebenprodukte in industriellen Wertschöpfungsketten bislang vielfach entsorgt und verursachen dadurch Kosten, statt wirtschaftlich genutzt zu werden. Ein wesentlicher Grund dafür seien fehlende, verlässliche Informationen zu Herkunft, Zusammensetzung und Qualität der Stoffströme. Das Projekt setzt hier an und soll lineare Entsorgungslogiken durch zirkuläre Verwertungspfade ersetzen.

Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM und dem Softwareentwickler Brain of Materials als nationalen Projektpartnern sowie den internationalen Partnern Roteks Tekstil und Wastespresso entwickelt Epea in den kommenden drei Jahren einen Prototypen für einen Industriemarktplatz.

Geplant ist der Aufbau einer modularen digitalen Infrastruktur für vertrauenswürdige Kreislaufmärkte. Dazu sollen unter anderem semantikbasierte Datenmodelle, KI-gestützte Qualitätsanalysen und ein Vermittlungsmodul zur Identifikation neuer Anwendungen für Sekundärrohstoffe entwickelt werden. Auch digitale Produktpässe und digitale Zwillinge sollen für zirkuläre Wertschöpfung weiterentwickelt und optimiert werden. Die Praxistauglichkeit soll anhand von zwei beispielhaften industriellen Demonstratoren – Bimsstein und Kaffeesatz – gezeigt werden.

Die neue Infrastruktur soll es Unternehmen ermöglichen, Nebenprodukte systematisch zu bewerten, gezielt anzubieten und in belastbare Geschäftsmodelle zu überführen. Nach Einschätzung von Epea können dadurch Entsorgungsaufwände reduziert, zusätzliche Erlösquellen erschlossen und regulatorische Anforderungen strukturierter adressiert werden. Die entwickelten Lösungen sollen interoperabel und auf weitere Branchen übertragbar sein.

„Das erste Cradle to Cradle Prinzip lautet: Alles ist Nährstoff, es gibt keinen Abfall. Mit diesem Projekt wollen wir dieses Prinzip in die wirtschaftliche Umsetzung bringen. Was an einer Stelle als Abfall entsteht, kann an anderer Stelle ein wertvoller Nährstoff sein. Gemeinsam mit starken Partnern freuen wir uns auf die Umsetzung“, erklärte Epea-Geschäftsführer Jan Christoph von der Lancken.

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