RWTH erhält Millionenförderung für chemisches Recycling

Wie die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen am Montag mitteilte, hat ein Team um zwei Chemiker der RWTH einen Ideenwettbewerb zur Erforschung von Technologien für eine nachhaltige Ressourcennutzung gewonnen. Die Professoren Jürgen Klankermayer und Regina Palkovits erhalten von der in der Schweiz ansässigen Werner-Siemens-Stiftung (WSS) für ihre Forschung 100 Mio Schweizer Franken (etwa 93 Mio €) über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Der erste Fokus des Projekts mit dem Titel „catalaix: Katalyse für eine Kreislaufwirtschaft“ liegt auf dem Kunststoffsektor. Der Mensch produziert laut RWTH 400 Mio Tonnen Plastik pro Jahr – bis 2050 dürften 16 Gigatonnen zusammenkommen; so viel wiegen alle Menschen, Tiere und Pilze auf der Erde gemeinsam. Gleichzeitig werden dem RWTH zufolge aktuell nur neun Prozent aller Kunststoffe rezykliert. Für einen ganzheitlichen Ansatz seien solche eindimensionalen Kreisläufe nicht geeignet, sagte Regina Palkovits. „Verschiedene Kunststoffe werden in verschiedenen Mengen produziert, und ihre Lebensdauer ist unterschiedlich: Eine Verpackung muss nach vielleicht einem halben Jahr wieder in den Kreislauf integriert werden, eine Gebäudeisolation erst nach 30 Jahren.“ Das Aachener Team wird Kunststoffe durch die Kombination von chemischen, elektrochemischen und mikrobiellen Katalyseverfahren in wiederverwendbare Ausgangsstoffe umwandeln. Dass dies funktionieren kann, hat es bereits für diverse Kunststoffklassen demonstriert.

Die Idee der Forschenden geht aber über einzelne und isolierte Stoffkreisläufe hinaus. Sie werden die Kreislaufwirtschaft nach dem „Open-Loop-Prinzip“ weiterentwickeln. Das bedeutet: Die molekularen Bausteine, die als Ausgangsstoffe durch das Recycling entstehen, sind maßschneiderbar und derartig vielseitig einsetzbar, dass sie sich je nach Bedarf auch in andere Wertschöpfungsketten und Materialkreisläufe einspeisen lassen. Hierdurch soll die Grundlage für eine flexible, mehrdimensionale Kreislaufwirtschaft geschaffen werden.

Die Wissenschaftler der RWTH Aachen und des Forschungszentrums Jülich wollen damit ein Forschungszentrum aufbauen, das den Weg zu einer kreislauffähigen chemischen Industrie ebnen soll, erklärte die RWTH. Im Mittelpunkt stehe die Technologie der Katalyse, die das Tempo chemischer Reaktionen erhöht oder erst ermöglicht.

Bislang seien meist neue Katalysatoren gesucht worden, die Bindungen knüpfen, sagte Klankermayer. „Aber es braucht auch Katalysatoren, die Bindungen brechen, und wir müssen bei der Herstellung der zukünftigen Produkte das Recycling gleich mitdenken“, erklärte der Wissenschaftler.

Klankermayer und Palkovits werden im Kernteam von drei weiteren Professoren unterstützt. Insgesamt sind zwölf weitere Wissenschaftler aus der RWTH und dem Forschungszentrum Jülich beteiligt. (dpa/eigener Bericht)

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