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Einwendungen gegen EEW-Erweiterung in Delfzijl

Die Kritiker sorgen sich um die Quecksilberemissionen in Delfzijl.
MVA Delfzijl (Bild: EEW)
11.01.2017 − 

Aus Ostfriesland hat es Einwendungen gegen die Erweiterung der Müllverbrennungsanlage (MVA) im niederländischen Delfzijl durch den Betreiber EEW Energy from Waste gegeben. EUWID-Informationen zufolge sollen unter anderem  die ostfriesische Bürgerinitiative (BI) „Saubere Luft“ und der örtliche Verein des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) Einwendungen eingelegt haben. Beide beklagen angeblich hohe Quecksilberemissionen durch die von EEW geplante Erweiterung der Anlage. Die Einspruchsfrist endete am Montag, 9. Januar.

Die „Ostfriesen-Zeitung“ hatte in der vergangenen Woche von einer Informations- und Diskussionsveranstaltung in der Gemeinde Greetsiel berichtet. Bei dieser Veranstaltung waren dem Bericht zufolge auch der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel sowie der Bundestagsabgeordnete Peter Meiwald (beide Grüne) zugegen. Diskutiert wurde demnach unter anderem über die geplante Erweiterung des Müllheizkraftwerks von EEW in Delfzijl. Die Helmstedter wollen in ihrer niederländischen Anlage eine dritte Verbrennungslinie für weitere 192.000 Tonnen Abfall errichten. Die neue Verbrennungslinie in Delfzijl soll insbesondere für den britischen Entsorgungsmarkt zur Verfügung stehen und 70 Mio € kosten. Die Inbetriebnahme ist für 2019 geplant.

Angeblich drohen durch die Anlagenerweiterung 60 Kilogramm Quecksilberemissionen pro Jahr

Diese Erweiterung werde zur Folge haben, dass die EEW-Anlage in Delfzijl künftig nicht mehr 40, sondern 60 Kilogramm Quecksilber pro Jahr ausstoßen wird, zitiert die Zeitung eine Sprecherin der Bürgerinitiative „Saubere Luft“. Deshalb habe die BI Einspruch eingelegt. Gleichzeitig forderte die Sprecherin der BI den niedersächsischen Umweltminister auf, tätig zu werden. Wenzel habe zugesagt, den Fall zu prüfen, so die „Ostfriesen-Zeitung“.

Bereits vor Weihnachten hatte der Bundestagsabgeordnete Peter Meiwald auf seiner Internetseite Bürger und Organisationen dazu aufgerufen, Einwände gegen die geplante EEW-Erweiterung in Delfzijl bei der Provinzregierung Groningen einzureichen. Aus dem Genehmigungsentwurf gehe hervor, dass man durch die Müllverbrennung mit einem maximalen Ausstoß von weiteren 60 Kilogramm Quecksilber pro Jahr rechnen müsse, so Meiwald.

EEW: 2016 in beiden Linien lediglich 74 Gramm Quecksilber emittiert

In einem EUWID vorliegenden Faktenblatt widerspricht EEW der Darstellung der Bürgerinitiative und des Abgeordneten Meiwald. EEW emittiert demnach derzeit weder 40 noch 60 Kilogramm Quecksilber in Delfzijl. Die beiden Linien der Anlage hätten im vergangenen Jahr vielmehr zusammen lediglich 74 Gramm Quecksilber ausgestoßen, ist dem Dokument zu entnehmen. Diese Werte würden dadurch erreicht, dass EEW in Delfzijl im Bereich der Rauchgasreinigung die beste verfügbare Technik (BVT) einsetze. Die in Delfzijl betriebene MVA entspreche damit allen Anforderungen der europäischen Industrieemissionsrichtlinie (IED), so EEW.

Wie die Kritiker auf die deutlich höheren Angaben kommen, ist nicht ganz klar. EEW vermutet in seinem Faktenblatt, dass die BI die Betriebsstunden und den Volumenstrom der Anlage mit dem maximalen Genehmigungswert von 0,02 Milligramm Quecksilber pro Normkubikmeter Abluft multipliziert hat. Somit käme man rechnerisch auf maximal erlaubte Quecksilberemissionen von 21 Kilogramm pro Verbrennungslinie und Jahr. Dieser maximale Genehmigungswert gebe jedoch nicht die tatsächlich emittierten Mengen wider, so EEW.

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