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– Die deutsche Biogas-Branche wird in diesem Jahr noch einmal einen Boom verzeichnen, bevor der Zubau mit Inkrafttreten der EEG-Novelle 2012 deutlich zurückgeht. Das geht aus einer Studie des Marktforschungsinstituts Trendresearch hervor, die EUWID vorliegt. Trendresearch erwartet für 2011 den Bau von 1.100 neuen Biogasanlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von etwa 440 Megawatt (MW). Im Vergleich dazu wurden 2010 rund 920 Neuanlagen gebaut mit einer Leistung von etwa 400 MW. Im nächsten Jahr soll der Zubau dann rapide auf maximal 500 sinken und in den Folgejahren bei 500 bis 600 liegen.
Betreiber von Biogasanlagen befürchten durch die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) eine Verschlechterung „der bisher als gut bewerteten Förderung“, heißt es zur Begründung. Das neue EEG verschärfe die Anforderungen an Betreiber von Biogasanlagen – etwa durch die Pflicht der Wärmenutzung und die Begrenzung des Maiseinsatzes. Darüber hinaus werde das bestehende Bonussystem abgeschafft. Tatsächlich werden mit der EEG-Novelle die Prämien, vor allem für Kleinanlagen, im Schnitt um zehn Prozent bis 15 Prozent gekürzt, während die Degression von derzeit ein auf zwei Prozent steigt. Gleichzeitig ist ein vereinfachtes Vergütungssystem mit vier leistungsbezogenen Anlagenkategorien vorgesehen. Laut Trendresearch werden in den kommenden Jahren vermehrt landwirtschaftliche Kleinanlagen mit einer Leistung von unter 75 kW aufgrund der dort neuen hohen Förderung sowie Anlagen zur Einspeisung ins Erdgasnetz gebaut.
Darüber hinaus soll sich ab 2014 ein neues Geschäftsfeld für die Branche entwickeln: Mit der verpflichtenden Einführung einer Marktprämie kann der Strom aus Biogasanlagen über 750 Kilowatt (kW) an der Strombörse EEX vermarktet werden. Daher gebe es eine große Investitionsbereitschaft für Biogasanlagen in der Landwirtschaft. So bewerteten sieben Prozent der befragten landwirtschaftlichen Unternehmen diese als „sehr hoch“, 24 Prozent gaben eine „hohe“ Investitionsbereitschaft an und 38 Prozent bezeichneten sie als „mittel“.
Der Fachverband Biogas bestätigt die Prognosen von Trendresearch. „Kurz vor der EEG-Novelle verzeichnet die Branche nochmal einen starken Zubau“, sagte eine Verbandssprecherin gegenüber Dow Jones Energy Daily. Ab 2012 sei eine Halbierung des Zubaus auf etwa 500 bis 600 Anlagen zu erwarten. „Wir bräuchten mehr Kontinuität für die Biogasbranche“, erklärte die Sprecherin. Die EEG-Novelle verschlechtere jedoch die Aussichten für die Energiegewinnung aus Biogasanlagen, obwohl diese zahlreiche Vorteile biete.
Dazu zählten etwa die bedarfsgerechte Einspeisung sowie die Speichermöglichkeit durch Einspeisung ins Gasnetz. Damit könnten Schwankungen anderer erneuerbarer Energieträger wie Wind oder Sonne ausgeglichen werden. Ende dieses Jahres soll nach Berechnungen des Verbands die installierte Kapazität von Biogasanlagen rund 2.730 MW betragen. Trotz der verhältnismäßig geringen Kapazität hat die Stromproduktion aus Biogasanlagen 2010 die Photovoltaik überholt. Laut Bundesumweltministerium lag die Stromerzeugung aus Biogasanlagen bei 12,8 Terrawattstunden (TWh), die der Photovoltaik erreichte rund 12,0 TWh.
Der Branchenumsatz soll in diesem Jahr auf 5,9 Mrd € wachsen nach 5,1 Mrd € im vergangenen Jahr. Auch wenn immer mehr größere Unternehmen ins Ausland drängen und dort etwa ein Drittel bis zur Hälfte ihres Umsatzes erzielen, bleibt nach Einschätzung der Verbandssprecherin der deutsche Markt als „Heimatmarkt elementar“. Die Exportrate der Biogashersteller liegt zurzeit bei rund zehn Prozent, wichtigste Absatzmärkte sind Frankreich, Italien und Großbritannien.
Doch nicht alle Anlagenhersteller sehen ein Problem in der EEG-Novelle. Unternehmen mit internationaler Ausrichtung und Finanzstärke wie beispielsweise Envitec Biogas aus dem niedersächsischen Lohne erwarten keine Verschlechterung für den Anlagenbau in den kommenden Jahren. „Die EEG-Novelle ist besser, als wir anfangs angenommen hatten. Wir können gut damit leben“, sagte ein Unternehmenssprecher. Zwar werde der Biogasmarkt ab 2012 schwieriger, Envitec habe aber einen „sehr hohen Auftragsbestand“ für 2012 und erwarte keinen Rückgang beim Neubau – auch nicht in Deutschland.
Im laufenden Jahr rechnet Envitec mit einer Umsatz- und Ergebnisverbesserung. Das Unternehmen profitiert nach eigenen Angaben von der hohen Nachfrage nach Biogasanlagen in Deutschland. Die Leistung von Biogasanlagen der Envitec lag Ende 2010 bei 30,5 MW und soll 2011 auf über 40 MW anwachsen. Envitec will sich in den kommenden Jahren auf zwei Kernbereiche beim Anlagenbau fokussieren: Gasaufbereitungsanlagen und wärmeorientierte Verstromungsanlagen im Leistungsbereich von 500 kW.
Auch der sachsen-anhaltische Hersteller von Biogasanlagen Endi AG aus Halle blickt positiv in die Zukunft und sieht Potenzial insbesondere bei dezentralen Blockheizkraftwerken (BHKW). So stellte Endi im vergangenen Monat eine 1,2-MW-Biogasanlage in Saelhuysen am Niederrhein für die Versorgung von bis zu 3.000 Haushalten fertig.
30.08.2011
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